Spinnen kann glücklich machen: Barbara Tansil

Mit 47 Jahren hat sich Barbara Tansil gewagt, ihr Leben noch einmal völlig „umzukrempeln“. Sie warf ihr Sicherheitsdenken über Bord und folgte 2012 dem Ruf ihres Herzens. Im Osten Österreichs machte sie ihr Hobby zum Beruf und bringt heute als Kundhandwerkerin die Menschen zum Spinnen.

Liebe Barbara, kannst Du Dich den Lesern kurz vorstellen und beschreiben was Du tust?

Ja, sehr gerne.
Mein Name ist Barbara Tansil und ich komme ursprünglich aus St. Florian bei Linz. Meine beiden erwachsenen Kinder studieren beide in Wien.
Ich gehöre zur Spezies der „nicht mit dem Strom Schwimmer“ und habe auch bewegte Zeiten hinter mir.
1985, nach meinem Schulabschluss entschloss ich mich zu einem 3 jährigen USA Aufenthalt als Au Pair und Teilzeitstudent.
Die Liebe zu einem Chinesen aus Jakarta Indonesien, den ich in den USA kennenlernte, verschlug mich 1989 nach Heirat und Geburt unserer gemeinsamen Tochter in dieses ferne, fremde Land.
Die beiden folgenden Jahre waren hart und emotional anstrengend.
Schwanger zum 2. Kind, entschloss ich mich, über die österreichische Botschaft das Land zu verlassen. Eine abenteuerliche Reise ohne Papiere, Geld etc…ließ mich 1991 in Österreich wohlbehalten ankommen.
Geburt meines Sohnes 1991. Dank meiner Eltern hatte ich die Möglichkeit, mich langsam zu erholen, und konnte in Österreich wieder Fuß fassen.
Ich war Alleinerzieherin und arbeitete als Ordinationsassistentin in Linz.
2012 wagte ich nochmals einen Neubeginn, und übersiedelte zu meiner Liebe in den Osten Österreichs. Ich arbeitete wieder in einer Ordination.
2015 wagte ich nochmals einen großen Schritt, und beschloss, meinen Traum und meine Leidenschaft zu leben.
Ich gründete meine Wollwerkstatt!

Schon sehr früh hast Du Deine Liebe zu Wolle und Handarbeiten entdeckt. Gab es da für Dich einen (oder mehrere) Auslöser? Wann hast Du das erste Mal am Spinnrad gesessen?

Ja, liebe Sabine, da liegst du ganz richtig, diesen Auslöser gab es mit Sicherheit.
Ich stamme aus einem „revolutionären“ Elternhaus. Wir gehörten in den 70ern zu den Pionieren der Umweltschützer, Biobauern, Rohkostessern, Brotbäckern etc… und wir lebten Nachhaltigkeit. (Wie meine Eltern das mit 4 kleinen Kindern und Hausbau schafften, ist mir immer noch ein Rätsel)
Unsere Kreativität wurde sehr gefördert, und so zog auch schon damals ein neues Spinnrad bei uns ein. Ich war damals 14 Jahre alt.
Strickerei und Wolle waren in der Schule und Freizeit ab diesem Zeitpunkt meine ständigen Begleiter.

Mit 47 Jahren hast Du einen kompletten Neuanfang gewagt. Wie kam es dazu?

Ich beschloss, noch einmal mutig zu sein, und übersiedelte zu meinem Freund in den Osten Österreichs. Es dauerte 6 Monate, bis mein Herz über den Verstand siegte!
Heute weiß ich, es war die richtige Entscheidung, denn noch nie in meinem Leben konnte ich so ICH sein wie jetzt, und dafür bin ich unendlich dankbar!

Du gibst Workshops, führst regelmäßige Treffen mit Gleichgesinnten durch, betreibst die Webseite http://wollwerkstatt-myrahof.com/ und hast auch einen eigenen Youtube-Kanal. Dabei dreht sich alles um das Thema Wolle: spinnen, filzen, färben, stricken…Wie bekommst Du das alles unter einen Hut?

Mein Ziel ist es, den Menschen zu zeigen, wie sie mit Freude und Begeisterung das alte Handwerk des Wolle Spinnens neu erlernen können….und die Freude der Menschen ist meine große Freude
Ich lebe meine Leidenschaft 7 Tage die Woche und es macht so viel Spaß! Immer wieder gehen neue Türen auf, und eröffnen sich neue Möglichkeiten. Das Leben ist unglaublich spannend und bunt geworden!
Ich arbeite 7 Tage die Woche für meinen Traum.
Sicher komme ich auch an die Grenzen meiner Kapazitäten, aber die Freude an meinem Wirken steht immer im Vordergrund.

Was waren Deine größten Ängste zu Beginn Deines neuen Weges?

Das waren die Existenzängste, die glaube ich, sehr weit verbreitet sind. Diese Stimme im Kopf…aber was ist wenn….und glaubst du, geht das…..etc…
Ich hatte und habe immer noch gute Coaches, die mir helfen, meine Zuversicht und mein Vertrauen immer aufrecht zu halten!
Und es gibt drei Worte, die meine ständigen Begleiter sind: Never give up! (Gib nie auf!)

Wie bist Du mit Zweifeln und Hindernissen umgegangen und was hat Dich auf Deinem Weg bestärkt?

Ich versuche, mein Bauchgefühl über meine Zweifel zu stellen. Zweifel entstehen nur im Kopf, oft sind sie in der Realität gar nicht vorhanden. Dies rufe ich mir immer wieder ins Gedächtnis.
Das Wichtigste ist, an sich, und seinen Traum zu glauben, und alles an Energie in die Umsetzung zu investieren. Eine klare Entscheidung zu treffen, und den Fokus darauf nicht zu verlieren, das macht es aus!
Bestärkt werde ich durch die Rückmeldungen meiner „Spinnkunden“ und das Wachsen der „Spinncommunity“. Die Menschen, die ich bei meinen Workshops und Treffen kennenlernen darf, sind für mein Leben eine große Bereicherung und Ergänzung.

Würdest Du heute etwas anders machen?

Ich würde früher im Leben beginnen, meinen Traum zu leben

Wo siehst Du Deine Stärken und Talente?

Meine Kreativität in vielen Bereichen beschert mir ein permanentes „Kopfkino“…die Ideen werden mir nie ausgehen!
Ich denke, ich kann gut mit Menschen gemeinsam arbeiten, und auch ihre Bedürfnisse erkennen. Organisieren und Vernetzen gehören sicher zu meinen Stärken. Ich liebe es, neue Ideen umzusetzen.

Was möchtest Du noch erreichen?

Meine Wollwerkstatt darf langsam wachsen, und ich möchte mit meinen Ideen noch viele Menschen erreichen, und mein Wissen weitergeben.

Was rätst Du Menschen in und jenseits der Lebensmitte, die ihren eigenen Weg gehen möchten?

Erstmal wirklich herausfinden, wo liegt meine Leidenschaft, was mache ich gerne, wo fühle ich mich erfüllt.
Ich rate den Menschen auf alle Fälle, Coachings zu buchen, auch für die geschäftliche Komponente. Wie baue ich mir ein Geschäft auf, was muss ich beachten. Das alles braucht eine Struktur, und es sind doch wichtige Punkte für einen erfolgreichen Geschäftsaufbau zu beachten.
….und dann geh deinen Weg….

Hast Du ein Lebensmotto?

Mit allem was du denkst, sprichst und tust, erschaffst du dir deine eigene Realität!
Ich habe mich für eine positive, erfüllte Realität entschieden!

Wenn Du drei Wünsche frei hättest für Deinen weiteren Lebensweg – welche wären das?

Das Wissen des ethisch, karmischen Managements mehr umzusetzen und den Menschen vorzuleben (Quelle: Geshe Michael Roach http://www.denstiftverstehen.de/)
Möglichst viele Menschen mit meinem Wissen zu erreichen
Ausreichend materielle Ressourcen, um anderen Menschen zu helfen, ihre Träume zu leben.

Wie kann man mit Dir in Kontakt treten?

Ich freue mich über einen Anruf unter (+43)0650/8494515 oder eine E-Mail an
barbara@wollwerkstatt-myrahof.com
www.wollwerkstatt-myrahof.com

Liebe Barbara, ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview, Deine Offenheit und das Teilen Deiner Geschichte.
Ein Besuch Deiner Wollwerkstatt steht nun auf meiner Wunschliste.
Herzlichst,
Sabine

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hach ja…spinnen hat ganz bestimmt eine meditative Wirkung! Auch wenn ich es noch nie versucht hab, bin ich mir dessen sicher! Der Ausdruck „Du spinnst“ kommt sicher nicht von ungefähr und muß absolut nicht negativ gesehen werden.
    Ich denke es ist sowieso an der Zeit sich auf altes Wissen zurück zu besinnen!

    • Liebe SAM,
      Danke für Deinen wunderbaren Kommentar.
      Spinnen hat für mich auch etwas mit Träumen zu tun und daher sehe ich den Begriff durchaus positiv,
      Barbaras Spinnen hat sicher etwas sehr Meditatives.
      Ich freue mich riesig, dass so wunderbares Handwerk gelebt wird und nicht in Vergessenheit gerät.
      Herzliche Grüße,
      Sabine

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