Das Geschenk einer Bergwanderung

In der vergangenen Woche habe ich zwei unterschiedliche Bergtouren unternommen, die mir neben der gesundheitlichen Komponente (Bewegung an der frischen Luft) auch wertvolle Impulse für den beruflichen Bereich gaben.

Wenn Du schon etwas länger bei mir mitliest weißt Du, dass ich dabei bin meine eigene Selbstständigkeit aufzubauen.
In der letzten Zeit tauchten jedoch verstärkt Zweifel an meinem Weg auf:

  • Ist das Ziel für mich zu groß?
  • Ist das wirklich MEIN Ziel?
  • Kann ich das alles schaffen und wie?
  • Bin ich gut genug dafür?
  • Was passiert, wenn ich scheitere?

Ich setzte mich selbst immer stärker unter Druck, wodurch zunehmend Gefühle von Überforderung auftraten.
Die Anzahl der Ideen wuchs und wuchs, so dass ich irgendwann einfach den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sah.
Der Berg an Aufgaben und Plänen erschien mir unüberwindbar.
Am Ende verfiel ich in Prokrastination (Aufschieberitis) und suchte nach einem Weg aus dem Dilemma.

Du kennst sicher die buddhistische Weisheit: Wenn der Schüler bereit ist, erscheint der Lehrer.
In meinem Fall war es die Natur.

Momentan bin ich körperlich nicht so fit und so war ich mir am Anfang nicht sicher, ob ich die Wanderung zum jeweiligen Gipfel schaffe. Jedoch wollte ich nicht gleich aufgeben, ohne es versucht zu haben. Umkehren konnte ich immer noch, wenn die Kräfte zu sehr nachlassen würden und dann hätte ich trotzdem etwas von der wunderbaren Natur gesehen und könnte mich für die nächste Tour besser vorbereiten.

Zu Beginn erschienen mir die Gipfel so hoch und fast unerreichbar. Ich begann mit den ersten Schritten und konzentrierte mich darauf. In dem Moment war immer nur der nächste Schritt wichtig. Immer nur der nächste Schritt. Ein Fuß vor den anderen setzen – Schritt um Schritt.
Wenn ich vor Anstrengung außer Atem war, blieb ich stehen und genoss die Schönheit der Natur und der Ausblicke. So konnte ich Kraft tanken und weitergehen. Dabei störte es mich nicht, dass meine Mitwanderer schneller waren als ich. Für mich war es wichtig, gut für mich zu sorgen, indem ich mit meinen Kräften haushaltete und in meinem Tempo ging. So konnte ich meine Ausdauer steigern.

Der Weg führte nicht immer direkt bergauf. Manchmal musste ich auch wieder etwas absteigen, um erneut den Aufstieg zu bewältigen oder Umwege gehen, da der Weg nicht mehr passierbar war. Manchmal erschien der Weg leichter und fast spielerisch und ein anderes Mal kam ich nur mühsam voran und musste Hindernissen ausweichen. So gab es ein ständiges Auf und Ab, wobei es tendenziell vor allem bergauf ging.
Je näher ich dem Gipfel kam, umso größer wurde meine Vorfreude. Das gab mir Auftrieb: So kurz vor dem Ziel gebe ich nicht auf, schließlich habe ich es auch bis hierhin geschafft.

Ein Gipfel war besonders steil. Ich konnte das Gipfelkreuz sehen, doch es schien für mich unerreichbar zu sein. An dem steilen Stein nach oben waren bodennahe Drahtseile gespannt. Ein Aufstieg erschien nur mit Einsatz beider Hände möglich: Daher reichte ich meine Wanderstöcke einem anderen Wanderer, der den Aufstieg schon geschafft hatte und nahm auch dankbar seine helfende Hand an einer besonders schwierigen Stelle – um dann die überwältigende Freude zu erleben den Gipfel erreicht zu haben. Hurra!
Was für ein tolles Gefühl – von oben auf den Weg hinab zu schauen, die eigene Leistung zu würdigen und den traumhaften Ausblick zu genießen.

Hier in dieser phantastischen Bergwelt wurde mir das Wesentliche wieder deutlich bewusst.
Ich erkannte:

  • Ich muss nicht kämpfen. Kämpfen bedeutet GEGEN etwas sein und verbraucht daher viel Energie. Ich möchte FÜR etwas sein und Schritt für Schritt in meinem Tempo gehen, dabei das Ziel im Auge behalten. Ich habe das Potenzial dazu.
  • Jeder Weg setzt sich aus vielen kleinen (manchmal auch etwas größeren Schritten) zusammen. Ich kann mir den Weg einteilen und Zwischenziele abstecken. So wird alles überschaubarer.
  • Ich darf Pausen machen, um die Kräfte zu regenerieren.
  • Wenn mein Weg abwärts führt oder ich Umwege gehe, bedeutet das nicht das Ende. Ich kann mir einen anderen Pfad suchen und aus Erfahrungen lernen.
  • Wenn ich es alleine nicht schaffe, kann ich mir Unterstützung holen. Die Zusammenarbeit mit anderen kann den Weg erleichtern.
  • Ich habe innere Stärke, äußere Kraft und Durchhaltevermögen.

Jetzt weiß ich wieder wie ich dranbleiben und weitergehen kann.

Alles Liebe auch Dir,
Sabine

P.S. Welche Erfahrungen hast du auf Deinem Weg gemacht, was hilft Dir dranzubleiben? Wenn du magst, hinterlasse einen Kommentar am Ende der Seite (deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht!).

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10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Sabine, schön und passend, der Vergleich mit der Bergwanderung! Pausen machen, Ziel im Auge behalten, Umwege akzeptieren… ich glaube, das ist eine gute Strategie.
    Für mich ist auch der Plan hilfreich, mir anfangs einen nicht zu engen, aber doch begrenzten und klar umrissenen Bereich vorzunehmen und mich darauf zu fokussieren. Manches bleibt bewusst (noch?) draußen. Wenn das erfolgreich ist, kann ich mein Gebiet nach und nach (in meinem Tempo und nach meinen Möglichkeiten) ausdehnen.

    • Liebe Gudrun,

      hab vielen Dank für Deine wunderbare Ergänzung.
      Das Fokussieren auf einen klar umrissenen Bereich schützt vor Überforderung.
      So kann ich einen Schritt nach dem anderen machen.
      Herzliche Grüße,
      Sabine

  2. Meine liebe Sabine,
    von Herzen DANK an dich für diesen WUNDERVOLLEN Beitrag und die berührenden Fotos! Ja, alles dies kenne ich auch zu gut! Ich bleibe auch nicht dran, verzettle mich immer wieder, komme vom Hölzchen auf Stöckchen, habe zu viele Interessen – setze eben nicht Prioritäten – ich lerne, ich übe u übe…ein Leben lang.
    Du bist die Heldin Deiner eigenen Geschichte. Auch ich meiner…
    ICH verneige mich vor DIR!
    ALOHA! Moni

    • Liebe Moni,

      vielen, lieben Dank für Deinen wunderbaren bildlichen Vergleich: „..vom Hölzchen aufs Stöckchen…“. Ja – wir sind Meisterinnen die üben (Jwala Gamper).
      Und wir lernen ein Leben lang – dafür sind wir hier. Das ist unsere Stärke und macht uns zu „Heldinnen unserer eigenen Geschichte“.
      Danke für Deine Inspirationen.
      Herzliche Grüße,
      Sabine

  3. Liebe Sabine
    Schon lange lese ich deinen Blog und möchte mich bei dir bedanken. Was mir hilft dran zu bleiben bei meiner Rückkehr ins Leben nach einer Lebenskrise sind mutige Mutmacherinnen wie du, Monika Post oder meine Schwester (Miss Move Blog). Eure Schritte, Rückschläge und das Weitergehen danach machen mir Hoffnung, dass ich das auch schaffen kann. Und euer Mut, dies alles öffentlich zu beschreiben, gibt mir auch den Mut, einen (öffentlichen) Kommentar zu schreiben.

    Herzlichen Dank für deine Offenheit. Ich wünsche dir weiterhin viel Mut, auch Umwege zu gehen.

    • Liebe Regina,

      Deine Worte haben mich sehr berührt und ich freue mich riesig über Deinen Kommentar.
      Ich setze hier mal den Link zu dem Blog Deiner Schwester rein: http://missmove.ch/ . Er ist sicherlich für viele interessant und mutmachend.

      Wir können uns gegenseitig bestärken und uns auf unserem Weg die Hand reichen. Das ist ein wunderbares Geschenk. Wir sind nicht alleine, auch wenn es vielleicht manchmal den Anschein hat.

      Ich wünsche Dir und uns allen viel Kraft und Freude, den eigenen Weg zu gehen.
      Herzliche Grüße,
      Sabine

  4. Liebe Sabine und Regina,
    ja, Frauen Freundschaften sind WERT und WUNDER VOLL! DANKE auch an Euch für Eure Inspiration und danke an Regina, dass sie mich als guten Motivator sieht…UND ich kenne die Webseite missmove.ch – besuche sie auch ab und an – WUNDERVOLL!
    auch DANKE dafür! Ich wünsche uns allen, dass wir uns, als DAS WUNDER sehen, was wir sind …Viel LIEBE und FREUDE und GESUNDHEIT allen Frauen dieser Welt! „Die Zukunft ist weiblich! (auch männlich) wir haben immer beide Poole. – Frauen an die Macht! In Liebe Moni

  5. Liebe Sabine, herzliche n Dank für Deinen sehr interessanten, informativen und wertvollen Beitrag <3
    Ich bin lange Zeit immer am kämpfen und beweisen wollen gewesen, bin nicht mein, sondern aufdiskutierte, anerzogene und ich muß dies oder jenes – Wege gegangen. Bis ich endlich begriff, dass ich niemandem etwas beweisen muß. Dass ich machen darf was ICH machen möchte und dies in meinem Tempo. Ich rief mir wieder ins Gedächtnis was meine Omi immer sagte. Sie sagte zu mir: "Rehlein merke dir eines gut, es ist niemals eine Schande hinzufallen, solange du wieder aufstehst und in deinem Tempo weiter gehst. Auch wenn's nur Gänseschrittchen sind. "
    Von da an, lies ich mich nicht mehr unterkriegen.
    Ich ging wie ich konnte und plötzlich hatte ich Freunde die mich nahmen wie ich war und mir halfen ohne es eigentlich zu wissen.
    Und Du, da bin ich mir sicher, Du schafst Deinen Weg in Deinem Tempo. <3 Genau wie den Berg <3
    Bei mir wars übrigens der Kofel in Oberammergau. 😉 <3

    • Liebe Erika,
      hab vielen Dank für Dein Teilen und die wunderbare Ergänzung:
      Es ist wichtig, nach dem „Hinfallen“ nicht liegenzubleiben, sondern wieder aufzustehen und weiterzugehen.

      Wir gehen unseren Weg Schritt für Schritt und wenn es manchmal nur ganz kleine Schritte sind.
      Herzliche Grüße,
      Sabine

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